Anatomisch gesehen sind wir Geschwister
Wusstest du, dass Männer und Frauen anatomisch gesehen Geschwister im gleichen Bauplan sind? Bei dem Mann werden die Schamlippen quasi „zugenäht“ und entwickeln sich zum Hodensack, deshalb hat er eine Naht. Bei der Frau bleiben die gleichen Anlagen offen und werden zu den äußeren Schamlippen. Lange Zeit galt sogar die Vorstellung, die Scheide sei quasi ein nach innen gestülpter Penis. Das glaubte man in der Antike, ist aber nur teilweise richtig.

In den ersten Wochen sind wir gleich
In den ersten Wochen der Schwangerschaft sind die Anlagen der Genitalien bei allen Embryonen identisch. Man nennt das homologe Genitalien. Erst ab der 6. - 7. Woche entscheiden Gene und Hormone, ob daraus die weibliche oder die männliche Form wird.

Hodensack und große Schamlippen - Dieselbe Haut, nur anders verwachsen
In der frühen Embryonalentwicklung besitzen beide Geschlechter die gleichen Gewebevorläufer, die Labioskrotalwülste. Bei Frauen bleiben diese Wülste getrennt und wachsen zu den großen Schamlippen. Sie rahmen die Scheide ein und bilden zusammen mit den kleinen Lippen den äußeren Bereich der Vulva. Beim Mann verwachsen die gleichen Wülste in der Mittellinie und bilden den Hodensack. Die Verwachsung ist die sichtbare Linie (die Raphe), die Männer relativ mittig im Hodensack haben. Genau deshalb ähneln sich die Häute von Hodensack und großen Schamlippen so stark. Beide sind weich, empfindlich, besitzen viele Nervenenden und reagieren deutlich auf Berührung.

Eichel und Kitzler - dasselbe Gewebe, unterschiedlich gewachsen
Ähnlich verhält es sich bei der Eichel und dem Kitzler. Beide entstehen aus demselben embryonalen Vorläufer, dem Genitalhöcker. Bei der Frau bleibt er klein, wird zur Klitoris und liegt direkt am Knochen an. Er ist hochsensibel und voller Nervenenden. Beim Mann wächst er unter dem Einfluss von Testosteron deutlich größer, bildet die Eichel des Penis und wächst vom Körper weg. Die grundsätzliche Struktur und die starke Empfindlichkeit von Eichel und Kitzler sind aber die gleichen. Deshalb reagieren beide Regionen so intensiv auf Berührung, sie sind im Grunde dasselbe Gewebe, nur unterschiedlich ausgeprägt.

Auch innen dasselbe Prinzip - Hoden und Eierstöcke
Übrigens gilt dasselbe Prinzip auch im Inneren. Die Hoden des Mannes entsprechen den Eierstöcken der Frau. Es sind wieder dieselben embryonalen Anlagen der homologen Genitalien, nur anders entwickelt. Während der Schwangerschaft wandern die Hoden nach unten in den Hodensack, dort ist es etwas kühler als im Körperinneren, was für die Spermienproduktion wichtig ist. Die Eierstöcke bleiben dagegen im Körper.

Die Anatomie ist manchmal überraschend logisch und ein bisschen poetisch, nicht wahr?
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