Das Kopfkino hinter dem Fetisch
Mein Gesprächspartner ist Anfang 40, männlich und bleibt anonym. Sein Fetisch dreht sich um getragene Unterwäsche und den natürlichen Körperduft von Frauen. Er beschreibt ihn aber nicht einfach als reinen Geruchsfetisch. Für ihn besteht der Reiz aus dem Mix aus Duft, Fantasie und kleinen Details, die im Kopf hängen bleiben.
Bis heute verfolgt ihn ein einziges Geruchserlebnis. Ein getragener Slip, an den danach nie wieder ein anderer herangekommen ist. Die Frau von damals ist längst verschwunden, ihr extremes Dufterlebnis bleibt. Ein Moment, der sich tief eingebrannt hat und zum Maßstab für alles geworden ist, was danach kam.
Jahrelang blieb die Suche nach einem weiteren Slip dieser Art erfolglos. Zumindest glaubte er das, bis er vor Kurzem das Gefühl hatte, dass vielleicht doch jemand an dieses Erlebnis heranreichen könnte. Ende offen.
Er selbst sagt, dass er gerne schwafelt. Genau das habe ich zum Anlass genommen, ihm ein paar andere Fragen zu stellen. Die üblichen Einstiegsfragen wie „Wie hat alles angefangen?“ oder „Wie gehst du im Alltag damit um?“ kennt man inzwischen zur Genüge. Mich interessiert heute das Kopfkino hinter dem Fetisch, die Klischees, die kleinen Details, die kaum jemand bemerkt. Nähe ohne Berührung und die Erinnerungen, die manchmal länger bleiben als das eigentliche Produkt. Genau dort fangen wir an.
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Kopfkino statt Klischees
Was würden die meisten niemals bei jemandem vermuten, der getragene Unterwäsche und Körperduft sammelt?
Da muss ich mich wohl erst noch ein wenig mehr beschreiben. Ich bin 1,84m groß und eher der bullige Typ mit einem schelmischen Grinsen und Humor, ich trage mein Haar meist etwas ungeordnet und etwas länger. Ich kleide mich gern in weite Sachen die eher an den Skatertyp aus den späten 90er erinnern (was ich auch damals schon war). Seltsamerweise bekomme ich immer noch zu hören, dass ich ein Metaller bin, ich höre aber oldschool Hiphop. Das an sich beantwortet vielleicht schon einmal die Frage. Aber was Leute auch nicht vermuten schätze ich, dass ich ein sehr emotionaler Typ bin. Ich heule bei Filmen, mag die Natur und genieße es zu meditieren. Achja und dann rieche ich noch gerne an Damenhöschen.
Welches Klischee über Geruchsfetisch oder getragene Höschen nervt dich am meisten?
Ich gehe jetzt mal von der Neigung zu Körpergerüchen aus. Ich finde es sehr schade, dass das Riechen an Damenunterwäsche recht häufig in die Ecke des reinen Lustgewinns gestellt wird. Gerne durch Stereotype von „Weirdos“ genutzt um sich einen runter zu hohlen. Das wäre viel zu einfach erklärt. Sicherlich ist dies ein großer Nutzen von solchen Damenslips, schließlich sind sie idealerweise mit Pheromonen vollgestopft, die anziehend auf den passenden Partner wirken und Erregung auslösen können, aber das erzählt nicht die ganze Geschichte. Ich bin kein Weirdo und dieser Lustgewinn durch Höschengeruch ist lediglich eine Brücke. Es gibt da noch ein paar andere…
Welcher Satz über Körperduft und getragene Unterwäsche würde Außenstehende am ehesten irritieren?
Es ist vollkommen gesund den Duft eines anderen Menschen zu mögen, egal in welcher Form er daherkommt!
Die Reize zwischen den Zeilen
Ist bei getragener Unterwäsche der Körperduft entscheidend oder machen Geschichte und Spuren den Unterschied?
Oh, da sprichst du etwas Wichtiges an. Ganz klar für mich die Geschichte. Erstmal vorab, wenn beides nicht stimmt, dann war es wohl nichts für mich. Aber ein für mich mäßiges Höschen mit einer gelungenen Geschichte ist für mich immer noch sehr reizvoll.
Das kann ganz unterschiedlich sein, wie mir die Geschichte erzählt wird. Zum einen machen es die Spuren im Höschen selbst. Das ist dann wie ein Detektivroman. Man kombiniert Dinge wie einen zerschlissenen Zwickel, einen ausgerissenen Faden oder sogar eine hartnäckige Falte, wo die Po-Ritze der Verkäuferin verlief. Es macht Spaß, mit diesen kleinen Details zu arbeiten und zu fantasieren. Deswegen kaufe ich auch lieber großflächigere Unterwäsche wie getragene Panties oder Slips, eher weniger Strings.
Manchmal habe ich einen Tragebericht dazu erstanden, wie der Slip zum Beispiel im Büroalltag und in Meetings entstanden ist. Sehr anregend für mich, so etwas. Ich achte beim Kauf auch sehr darauf.

Gibt es etwas innerhalb der Fetischwelt, das dich nicht reizt?
Ich denke ein klassisches NoGo habe ich tatsächlich noch nicht entdeckt, aber ich hatte bisher großen Respekt vor Menstruationsblut. Neugierig bin ich zwar aber hab mich noch nicht gewagt.
Mich haben noch nie Finger- oder Fußnägel gereizt. Auch Speichel würde ich nicht erstehen wollen.
Hat dich dein Interesse an Körperduft und getragener Unterwäsche irgendwann selbst überrascht?
Ja schon. Seitdem ich mir Düfte von Frauen bestelle bin ich auch sensibler gegenüber Düften in der Alltagswelt geworden. Und auch achtsamer, wenn ich etwas erschnuppere was mir in irgendeiner weise zusagt. Düfte erregen ja nicht nur das Lustzentrum, dann gehe ich dem mehr nach als ich es früher tat.
Nähe ohne Berührung
Was macht für dich Nähe ohne Berührung aus wenn Intimität nur über den Körperduft entsteht?
Geruch erzeugt Nähe. Wenn man mal genau hinschaut auf seine Mitmenschen, dann macht Duft doch genau das, es verbindet die Menschen. Auch dort, wo Sehen noch kaum trägt, etwa bei ganz jungen Säugetieren, spielt Geruch für Orientierung und Bindung eine Rolle. Oder bei der Partnerwahl wo der Geruch ein Indikator für die genetisch optimale Mischung für gesunde Nachkommen ist. Oder wenn die Nase uns davor bewahrt Bauchschmerzen von verdorbener Milch zu bekommen.

Es ist doch unfassbar intim einen Menschen seinen Geruch anzuvertrauen. Sei es nun der Achselduft einer Sportlerin, der kraftstrotzende Geruch einer Lady oder die etwas verpönte Note eines runden Po´s etc.. Sie alle vermitteln vor allem Intimität, allein schon dadurch, dass sie für gewöhnlich niemanden zuteilwerden, oft nicht einmal dem Partner!
Als ich neu war hier im game (Anfang 2025) habe ich bei meinen ersten Käufen gedacht, es sei den Verkäuferinnen in erster Linie um das Geld gegangen. Sicherlich war das ein Aspekt aber ich spürte ziemlich schnell, dass es ihnen ernsthaft auch um Freude ging. Jemanden mit dem persönlichen Geschenk des eigenen Duftes zu erfreuen. Es geht da, zumindest gefühlt, gar nicht darum Geilheit zu befriedigen sondern eine Form von Wertschätzung zu schaffen. Meiner Meinung nach profitieren beide Parteien davon. Mehr Schlüppis für alle!
Wann wird aus einer Verkäuferin von getragener Unterwäsche mehr als nur ein Profil?
Das beginnt schon ganz früh, schon das Profil selbst sagt mir etwas mehr. Spätestens im Vergleich sieht man die einzelnen Handschriften der Ladies. Mal eher zurückhaltend, mal offenherzig, frech oder obszön. Ich achte sehr oft eher auf das Profil als auf die eigentlichen Artikel. Ich beginne mich zu fragen, was ist das eigentlich für eine Person hinter dem Duft? Was mag Sie denn eigentlich. Ich finden einen respektvollen Umgang sehr wichtig und gebe das nicht nur sondern erwarte das selber auch. Wenn ich nach bestimmten Dingen in der Notiz frage und die nicht von der Verkäuferin umgesetzt werden wollen/ können, dann bin ich nicht beleidigt und ziehe weiter.
Ist Wiedererkennung für dich wichtiger als ständig etwas Neues zu entdecken?
Da bin ich geteilter Meinung. Also grundsätzlich ist Neugierde ja jedem Menschen eigen. Ich denke so ist es bei mir auch und so erschnuppere ich gerne einmal was neues. Aber sobald ich eine Dame gefunden habe bei der alles passt, also inklusive der „Geschichte“ hinter dem Duftteilchen, dann bleibe ich schon sehr treu bei ihr. Sicherlich gibt es dann auch einen Ausflug in andere Duftgefilde aber ich komme immer zur Dame zurück. Ich mag es die Facetten der einen Dame zu erschnuppern, schließlich gibt der weibliche Körper ja mehrere Noten preis. Und falls einmal eine Nuance nicht so recht meiner Vorstellung passt, probiere ich diese mit einer anderen Frau gerne aus.
Was bleibt?
Ganz platt gesagt, die Vorfreude auf das nächste Mal. Ich denke die meisten verfolgen einen bestimmten Zweck mit den Duftstücken der Damen. Für mich ist das der Höhepunkt der ganzen Story. Wenn meine Nase anspringt, die Landschaft des Höschen kartographiert ist und es der richtige Moment war dann ist meine Reise gedanklich und auch körperlich vorerst beendet. Ich bin am Ziel und sehr zufrieden!
Danach wird das schöne Stück sorgfältig wieder eingepackt, in meine geheime Kiste gelegt. Dann macht sich langsam im Laufe der Zeit die Vorfreude auf die nächste Reise breit. Der Fantasie sind da keine Grenze gesetzt!
Ist getragene Unterwäsche für dich eher Sammeln, Erinnern oder Erleben?
Interessante Frage mit der ich mich noch nicht auseinandergesetzt habe, obwohl ich inzwischen eine feine Sammlung besitze. Ich bin in der Chemiebranche tätig und komme auch beruflich mit dem Thema Geruch in Kontakt und weiß insofern wie man Geruch ordentlich konservieren kann, denke ich steht wohl das Erleben an erster Stelle. Da geht es um mehr als nur den reinen Akt des Riechens an dem jeweiligen Duftstück der Wahl. Es geht um die Geschichte dahinter. So wird auch ein bereits bekannter Slip immer wieder interessant bleiben, meine Fantasie wird in meinem Kopf zu Geschichte des Teils. Unterstützt natürlich von der Verkäuferin durch ihren Beitrag der über das bloße Tragen hinausgeht, wie bereits an einigen Stellen hier zuvor beschrieben. Insofern würde ich jetzt sagen, es geht fast Hand in Hand. Erleben, Sammeln bzw. einlagern und dann beim wieder hervorholen erinnern an die schöne Geschichte hinter dem Duftstück.
Welches Stück ist bis heute dein Highlight?
Vor etwas über 1,5 Jahren habe ich eine Frau, Anfang 30 gefunden. Nach allgemeinem Verständnis bildhübsch, nachdem was man jeweils üblicherweise sehen kann. Dazu in Sprache wohl gespielt naiv aber lasziv in ihren bewegten Bildern mit Inhalt der so gar nicht „damenhaft“ war. Alles in allem also ein starker Kontrast.
Ich fragte ein 5-Tages-Höschen an, das on top „ungewaschen“ sein sollte. Sie schrieb mir, dass es ihr eine Freude wäre, da diese Art ihr am meisten Spaß mache. Ich fragte warum und sie antwortete, dass sie es möge zu sehen wie ihre „Mu“ Tag für Tag ihre Spuren im Wäschestück hinterließe. Also war bei mir der Fantasieteil schonmal abgehakt. Ich habe das Teilchen dann zusammen mit einem noch angefragten Video bekommen. Ein grauer Slip mit Schleifchen, nichts besonderes also. Aber der Duft! Man, so intensiv und einzigartig herb. Dann noch die Spuren, welche bei ihr bräunlich im Zwickel zu sehen waren. Der Kontrast von Produkt, Präsentation und dann dieser anmutigen Gestalt, der Wahnsinn. Den Tanga habe ich heute noch und er duftet noch immer nach ihr!
Hast du ein festes Ritual, vom ersten Klick bis nach der Benutzung?
Erst einmal möchte ich mich vom Begriff „Benutzung“ distanzieren. Das klingt fürchterlich nach Entmenschlichung. Für mich ist das Duftstück kein Ding im üblichen Sinne. Es ist Teil einer Person und somit begehrenswert. Ich betrachte es als Privileg es erhalten zu haben.
Mein Ritual, wenn man es denn so nennen will, beginnt mit Erhalt des Versandstücks. Ich ziehe mich so schnell wie möglich zurück, z. B. ins Auto. Ich öffne das Teil vorsichtig. Dann hole ich alles heraus und lese zum ersten Mal eine mögliche Nachricht. Das vakuumierte Teil der Begierde wird ordentlich verstaut.
Danach, meist abends in aller Ruhe und nachdem ich noch einmal an Kaffeebohnen gerochen habe, nehme ich nochmal den Zettel, studiere die Handschrift, stelle mir die Person vor und füge es zusammen. Es entsteht im Optimalfall eine Geschichte hinter dem Artikel, noch bevor ich ihn überhaupt schon gesehen oder gerochen habe. Dann kommt der Moment des Öffnens. Ich schneide vorsichtig die lange Seite auf und halte direkt meine Nase an den frisch geöffneten Siegelverschluss. Und wenn mich nicht eine Wolke Ammoniak erwischt so ist es ein erster schöner Moment.
Ich schaue mir da Teil vorsichtig von allen Seiten an und gehe im wahrsten Sinne auf Spurensuche. Und dann erst gönne ich meiner Nase den vollen Duft des Teils. Ich führe sie entlang der Geruchstopografie des Höschens und versuche die unterschiedlichen Nuancen zu erschnuppern. Was währenddessen unter Einfluss der ganzen Eindrücke passiert kann sich wahrscheinlich jeder denken…
Wenn also all das für den Moment ausreichend erkundet ist, versuche ich das Teil möglichst vorsichtig und luftdicht wieder zu verpacken. Zeitnah mache ich dann noch Fotos von dem Teil und erkunde es so noch einmal genauer unter dem richtigen Licht. Dann wird es eingelagert als spätere Erinnerungsstütze an eine wundervolle Person mit Geschichte hinter dem kleinen Kunstwerk.
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Ich danke dir für deinen ehrlichen Erfahrungsbericht über getragene Unterwäsche, natürlichen Körperduft und die Intimität, die entsteht, obwohl nie eine Berührung stattfindet. Was bleibt, ist nicht nur das Produkt, sondern deine Gedankenwelt dahinter. Die Spurensuche, die Fantasie, die Erinnerung. Dass du so offen darüber sprichst, was dich bewegt und wie du denkst, ist selten und genau deshalb so wertvoll. Bleib genau so!
Kathleen